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Nach dem Simulator-Besuch ging es dann in das Museum des Fliegerhorstes. Weil dazu eine Überquerung der Startbahn nötig war und die gerade anderweitig gebraucht wurde hat uns da eine rote Ampel ein paar Minuten ausgebremst. In dem Museum angekommen hieß es dann "Feuer frei" für unsere Fotoapparate, da war nichts mehr geheim. Wirklich kurios, dass in Neuburg überhaupt ein Fliegerhorst gebaut wurde: Auf dem Erfassungsbogen aus dem Kaiserreich, ob sich der damalige Exerzierplatz denn als Flugplatz eignen würde finden sich lauter vernichtende Einschätzungen: Keine Infrastruktur, dafür aber viel Nebel. Trotzdem wurde da ein Flugplatz gebaut, und heute ist die Nähe zu Manching, wo die deutschen Eurofighter zusammen gebaut werden, sicher kein Nachteil.

Der Stander des Dienstwagens von MöldersDer frühere Traditionsname des Jagdgeschwaders war "Mölders" und auch heute noch genießt der ehemalige General der Jagdflieger, Oberst Mölders, hohes Ansehen. Nachdem das Geschwader 32 Jahre den Traditionsnamen führte, wurde auch Werner Mölders in dem Museum ein Raum für die Geschichte gewidmet. Dort ausgestellt ist der Stander des Dienstwagens von Mölders, den sein Fahrer eingenäht in seine Unterwäsche durch die russische Kriegsgefangenschaft gebracht hat und den er im Mai 1987 für die Ausstellung übergeben hat. Ebenso ein Regenschirm in beklagenswertem Zustand, den das Möldersgeschwader mit einem Stein beschwert und mit einem Zettel versehen über einem nach langem Suchen entdeckten getarnten Jägerleit- und Frühwarnstation abgeworfen hat und der dem darin verschonten diensthabenden Offizier klar machte, dass er entdeckt und die Stellung angegriffen und zerstört werde. Der als Signalmittel eingesetzte RegenschirmMölders wollte die Stellung bekämpfen, nicht die Menschen darin. Der derart verschonte Beobachter war darüber so dankbar, dass er den Regenschirm Jahrzehnte später für die Sammlung zur Verfügung gestellt hat.

In diesem Raum hat auch unser übrigens voll fernsteuerbares und schwimmfähiges Modell des Lenkwaffenzerstörers Mölders seinen Platz gefunden und kommt dort wunderbar zur Geltung. Neben teilweise aufgeschnittenen oder arg beschädigten Teilen einer Messerschmitt Bf 109 und einer Me 262 "Schwalbe" gab es auch moderneres Fluggerät zu besichtigen: Zu Ausbildungszwecken verwendete Propellermaschinen Piaggo P.149 und Do 27, eine North American F-86 KF-86 K, und ein F-104 "Starfighter", der in den 60er Jahren einen fürchterlichen Blutzoll gefordert hat. "Der Starfighter ist kein Flugzeug, sondern eine Rakete. Und eine Rakete landet nicht, sie schlägt ein." hieß es damals. Ein großes Problem war das einzige Triebwerk, dessen Ausfall einen sofortigen Totalverlust zur Folge hatte, die winzigen Tragflügel, die so dünn waren dass der Hauptauftrieb durch den Rumpf und das Triebwerk erzeugt wurde, nicht durch die Tragflächen, die völlige Überzüchtung durch die Aufrüstung des Schönwetterjägers zum Allwetterflugzeug und vieles mehr. Beim Ausfall des einzigen Triebwerks hatte der Starfighter einen Gleitwinkel wie ein Klavier!

F-104 "Starfighter"Zu allem Unglück hatte der Starfighter zunächst einen Schleudersitz, der den Piloten nach unten aus dem Flugzeug geschossen hat, um dem T-Leitwerk zu entgehen. Das verbietet sich natürlich in geringer Höhe. Der nächste Schleudersitz schoss den Piloten zwar nach oben aus der Kanzel, war aber zu schwach, so dass sich der Fallschirm bei zu geringer Höhe nicht entfaltet hat. Erst der dann später eingebaute Martin-Baker Schleudersitz hat dem Piloten eine faire Überlebenschance gelassen, vorausgesetzt er kam überhaupt rechtzeitig aus dem Flugzeug.

Spannend wurde es dann im nächsten Raum: Eine McDonnell Douglas F-4 Phantom II stand da, und man konnte aufentern und in das Cockpit gucken oder sich sogar auf den Platz des Piloten setzen. Zwar ist die F-4 bei der Bundesluftwaffe nicht mehr im Einsatz, aber einige Nationen fliegen die auch heute noch. Bemerkenswert, stammt der Flugzeugtyp doch aus den frühen 60er Jahren! Aber im Lauf der Jahre hat es natürlich immer wieder Verbesserungen an dem Flugzeug gegeben, "Kampfwertsteigerung" heißt das dann.
Unsere Meute vor der F-4 Phantom IIDas Cockpit der F-4 unterscheidet sich allerdings gründlich von den heutigen Cockpits, etwa des Eurofighters: Heute dominieren Bildschirme, auf denen je nach Mission und Situation genau das dargestellt wird was für die momentane Problematik relevant ist: Mal der Zustand der Hydraulik des Flugzeugs, mal der Status der Bewaffnung, Daten der Triebwerke oder was auch immer.

Zu Zeiten der Phantom gab es Bildschirme nur für das Radar, ansonsten dominieren einzelne Instrumente, meist mit Zeiger, die halt eben nur die Information anzeigen können, für die sie gebaut sind: Geschwindigkeit, Höhe über Grund, künstlicher Horizont oder Füllungszustand des Tanks, etwa. Hauptmann Mocka erläutert das Wirken von Generalleutnant a.D. Karl Müllner, des ehemaligen Inspekteurs der LuftwaffeDer eine oder andere Kamerad hat sich also rein gesetzt, nur um verblüfft festzustellen dass man nach vorne überhaupt keine Sicht hat auf die Außenwelt, nur die Instrumente vor der Nase. Wie bei den Postfliegern aus der Zeit von Charles Lindbergh, die nach vorne auch nichts gesehen haben weil da riesige Tanks waren, ohne die die benötigte Reichweite mit der damaligen Technik nicht erreichbar war.

Das war jedenfalls ein toller Ausflug, und wir danken Hauptmann Ulrich Mocka und seinen Mitstreitern recht herzlich für ihren unermüdlichen Einsatz für den ehrenamtlichen Aufbau des Museums, in dem auch die Originaluniform des ehemaligen Inspekteurs der Luftwaffe, Generalleutnant a.D. Karl Müllner, ausgestellt ist. Vielleicht findet sich ja gelegentlich ein etwas älterer Pappkamerad für die Uniform, der derzeit verwendete ist einfach zu jung für einen gestandenen Offizier.
Und ganz besonders danken wir Hauptmann Mocka für die Organisation unseres Aufenthaltes (vor allem der Eurofighter-Simulator war der Knaller!) und für die freundliche und kompetente Führung durch die Sammlung. Die vielen Anekdoten, die er aus seinem reichhaltigen Erfahrungen beigesteuert hat haben uns einen wunderbaren Tag geschenkt!


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