Unser alt-ehrwürdiger Verein mit vollem Namen ...

Marine-Kameradschaft München von 1890 e.V.


... hat eine wahrhaft bewegte Geschichte hinter sich, mit allerlei Höhen und Tiefen, mit viel Idealismus und Tatendrang.
Aber leider auch mit dunklen Zeiten, Zwangsauflösung und Verboten, also Problemen, die von außen kamen.

Heinz W. Koch

Und auch von weniger guten Ideen, Missverständnissen, Eigenbröteleien und Intrigen, also Problemen, die von innen kamen. Mehrmals im Laufe dieser langen Zeit sah es ganz danach aus, als wäre der Untergang gekommen.


Sehr aufschlußreich ist dazu die Chronik der Marine-Kameradschaft, die in akribischer Feinarbeit von unserem verdienten, leider verstorbenen Ehrenmitglied Friedrich Kuhr zusammen getragen wurde.

Trotz aller Probleme haben sich aber immer wieder unermüdliche Kameraden gefunden, die sich in den Dienst der Allgemeinheit gestellt haben und nicht aufgeben wollten. Das kommt wohl durch die Prägung der Seefahrt. Auch da stellen sich immer wieder Herausforderungen, denen man nicht ausweichen kann. Totalverluste von Schiffen werden selten durch eine einzige, alles vernichtende Katastrophe ausgelöst. In aller Regel steht dahinter vielmehr eine lange Verkettung von an sich nicht katastrophalen Problemen. Aber wenn immer wieder eins zum anderen kommt und dann noch ein Ausfall und noch ein Problem, dann reicht es irgend wann halt nicht mehr und es kommt zum Totalverlust.

Umgänglichkeit, Kameradschaftssinn und unerschütterlicher Optimismus ist also eine wichtige und zum Glück häufig anzutreffende Charaktereigenschaft bei Seeleuten, und diesen verdienten Kameraden, die unseren scheinbar aussichtslos auf Grund sitzenden und leck geschlagenen Verein immer wieder kalfatert und ins tiefe Wasser zurück geschleppt haben, haben wir es zu verdanken, dass unsere Kameradschaft immer noch existiert und uns eine vertraute Umgebung inmitten Gleichgesinnter bietet, wie sie viele von uns seit ihrer Fahrenszeit schmerzlich vermissen.

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120 Jahre, eine lange Zeit. Es versteht sich von selbst, dass das nach einer der Würde des Ereignisses angemessenen Feier verlangt.

Nun ist es nicht so einfach, einen angemessenen Raum zu finden, in den wir alle rein passen. Man weiß ja vorher nie genau, wie viele Kameraden denn nun erscheinen werden und kann dem Wirt deswegen schlecht eine verbindliche Zusage geben, es sei denn, man ist Willens eine entsprechend saftige Strafzahlung zu riskieren, wenn die avisierte Besucherzahl nicht erreicht wird.

Zwar wurde schon Wochen vorher eine Liste ausgelegt mit der Bitte, sich dort einzutragen damit eine verlässliche Planungsgrundlage entsteht. Aber - warum sollte es jetzt besser laufen als in den 120 Jahren davor - leider haben sich viele Kameraden dort nicht eingetragen.
Zwar ist es schön, wenn sie dann doch noch kommen. Aber durch die nicht mögliche definitive Zusage einer entsprechend hohen Teilnehmerzahl hat der Wirt den für uns vorgesehenen Saal geteilt mit der Folge, dass der Restsaal wegen der doch noch erschienenen Kameraden rammelvoll und obendrein recht ungünstig geschnitten war, wie ein großes U, also gewissermaßen um eine Trennwand herum gewickelt. Das hat die Kommunikation der Kameraden nicht eben erleichtert.
Es wäre also schön, wenn die Kameraden in Zukunft von vorne herein durch eine definitive Zusage eine stabile Planungsgrundlage ermöglichen würden. Zu meiner Schande muss ich bekennen, dass das auch für mich gilt.

Wolfgang Braetsch und Gerhard Stiefler

Diese Feier wurde auf φ = 48° 08.3' N, λ = 011° 34.5' E – im "Alten Hackerhaus" – abgehalten. Das war jahrelang, von 1961-1965 genau, unser Vereinslokal und unser Mitglied Emil Pohl war damals der Wirt.

Wie gut, wenn man nicht nur Seeleute im Verein hat, sondern auch einen stimmgewaltigen Bass vom Matrosenchor München, Wolfgang Braetsch. Unser 1. Vorsitzende Josef MotlDieser Wolfgang Braetsch hat zusammen mit seinem Vereinskameraden von Matrosenchor München Gerhard Stiefler die musikalische Gestaltung des Abends übernommen. Für diese die Sehnsucht nach der endlosen See wieder zum Leben erweckende Glanzleistung gebührt den beiden unser Dank und unsere Anerkennung.

Durch den Abend führte unser 1. Vorsitzender Josef Motl. Er gab uns einen kursorischen Überblick über die vergangenen 120 Jahre, dank der oben schon erwähnten Arbeit unseres Vereinschronisten Friedrich Kuhr. Durch die wechselhafte Geschichte gab es vieles zu berichten. So wusste bis vor kurzem wohl kaum einer, dass das letzte Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches, Großadmiral a.D. Karl Dönitz im Mai 1974 als Mitglied in unsere Kameradschaft eingetreten ist und später zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Auch wurde mit seinem Einverständnis sein Name in den Vereinsnamen mit aufgenommen.

Einschub 2013:
Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 02. August 2013 hat aber eine überwältigende Mehrheit dafür gestimmt diesen Namenszusatz wieder aus dem Vereinsnamen zu streichen. Gar zu groß ist sonst die Gefahr, daß wir als dem rechten Gedankengut anhängend mißverstanden werden - das sind wir nicht, das wollen wir nicht, und das wollen wir auch nach außen hin klar stellen. Gerade bei der Seefahrt, wo jeder auf Gedeih und Verderb auf seine Kameraden angewiesen ist, und so sich schon immer Menschen unterschiedlicher Herkunft, Hautfarbe, Meinung, und Orientierung auf engem Raum wieder finden ist der respektvolle, verantwortungsbewußte und rücksichtsvolle Umgang miteinander von heraus ragender Bedeutung. Rechtes Gedankengut hat bei uns keinen Platz!

Manfred Ulrich, unser Ehrengast von der MK Weilheim

Die Chronik der Marinekameradschaft wird derzeit, wie schon erwähnt, aufbereitet, so dass sie in absehbarer Zeit auf unserer web site verfügbar gemacht werden kann. Besonders hervorzuheben sind hier die Jahre 1950/1951: Einerseits wegen der besonders bewegten Geschichte, andererseits wegen dem sehr detaillierten Material, was aus dieser Zeit vorliegt. Deswegen wird es für diese beiden Jahre eine eigene, detaillierte Chronik mit vielen Bildern und Faksimiles der Original-Handschriften geben. Alles gerade in Arbeit...

Kamerad Motl konnte auch einen Ehrengast begrüßen: Manfred Ulrich, den Vorsitzenden der MK Weilheim und seine Frau Monika. Zu dieser MK besteht seit über 60 Jahren (!) eine hervorragende Verbindung! Der ließ es sich nicht nehmen, uns ein wunderschönes Bild des Minenjagdbootes "Weilheim" (Frankenthal-Klasse) in schwerer See zu schenken. Es hat die Flagge Romeo gesetzt, schickt sich also gerade an Material oder Ausrüstung auf See zu übernehmen. Es hat einen Ehrenplatz in unserem Vereinsheim erhalten.

Heimvater Franz Treml

Unser Heimvater Franz Treml wurde für seine langjährigen, andauernden Dienste geehrt. Der Franz ist gewissermassen in Personalunion Bootsmann und Schwadde unseres Vereinsheims. Ohne seinen unermüdlichen Einsatz würde es da drunter und drüber gehen.
So aber ist die Technik immer einsatzbereit und es ist mehr als ausreichend gebunkert: Es ist noch nie gelungen, die Getränkelast auch nur annähernd zu lenzen!

Unsere Kameradin Marianne Schwarzmüller hatte die Sklavenarbeit auf sich genommen, die handschriftlich in der alten deutschen Schreibschrift (Kurrentschrift) geschriebene, sehr detaillierte Chronik der Schlüsseljahre 1950 und 1951 abzuschreiben. Gerade noch rechtzeitig, diese Handschrift kann heutzutage kaum noch jemand und bald gar niemand mehr entziffern. Schon gar nicht, wenn die von verschiedenen Personen mehr oder weniger deutlich geschrieben wurde.

Marianne Schwarzmüller mit ihren neuen 'Notebook'

Vor Jahren schon hatte die Marianne Schwarzmüller ihren PC verschenkt in der Annahme, sie würde den nicht mehr benötigen. Das war arg voreilig. So hat sie nun Dutzende von Seiten auf ihren alten, mechanischen "Dampfkraft-" Schreibmaschine geschrieben. Eine, wo man so richtig kräftig auf die Tasten hauen muss, damit sich die Typenhebel überhaupt in Bewegung setzen.
So können wir nun auch diese Chronik in eine zeitgemäße Form bringen und mitsamt den Bildern und den Original-Seite als Faksimlie gebunden im Vereinsheim auslegen und für unsere Mitglieder auch zum Download ins Internet stellen. Ist schon in Arbeit und bald so weit!
Um nun diese Herkulesarbeit angemessen zu würdigen, ohne der Marianne Schwarzmüller aber gleich neues Ungemach anzudrohen erhielt sie vom Sepp ein Notebook, aber aus Glas, als Dekoration. Sie wird also nicht gleich wieder eingespannt!

Unser web master, Kamerad Winfried Huber

Auch Kamerad Winfried Huber, erst seit ein paar Jahren dabei, wurde gewürdigt wegen seiner Verdienste um den eigentlich schon dem Untergang geweihten Internet-Auftritt der MK München. Eigentlich sollte der abgeschaltet werden, weil die MK wegen eines gutgläubig verwendeten, aber leider nicht autorisierten Stadtplan-Ausschnittes mit einer saftigen Urheberrechtsverletzungs-Abmahnung überzogen worden war. Es gibt Anwälte, die leben anscheinend ausschließlich oder wengistens zu einem großen Teil von solchen Abmahnungen. Deswegen hatte der damalige web master Dieter Seeberger entnervt aufgegeben und fast den gesamten Inhalt des Internet-Auftritts gelöscht.
Weil Winfried Huber aber nun der Meinung war, dass die MK München unbedingt auch weiterhin im Internet vertreten sein sollte und insbesondere auch noch die Aneignung der renommierten, nun aber vielleicht aufgegebenen Internetadresse durch rechtsradikale Kräfte zu befürchten war hat sich nun Winfried Huber dieser Aufgabe gestellt.
Durch ein völliges Redesign des Internet-Auftrittes kann nun auch die Pflege der Seite durch mehrere Mitglieder erfolgen, ohne dafür großartige Spezialkenntnisse zu benötigen. So ist sicher gestellt, daß nicht gleich alles steht, wenn der Winfried mal nicht da sein oder vielleicht sogar länger ausfallen sollte.

Unser Ehrenvorsitzender Hermann Erk

Unser Ehrenvorsitzender Hermann Erk wurde geehrt für seinen 14 langen Jahre als Verantwortlicher auf der Brücke unserer MK. Er hat der MK damit einen bleibenden Dienst erwiesen. Auch heute noch steht er mit Rat und Tat bereit, etwa für Vorträge. Und geradezu legendär sind seine Dienste als Reiseleiter der MK, man denke nur an den gelungenen Ausflug nach Passau und auf das Kristallschiff "MS Donau" dieses Jahr.

Auch das Tanzbein wurde heftig geschwungen!

Auch, wenn es erfahrungsgemäß immer die Gleichen sind, die sich vor den Karren spannen lassen oder sogar selbst einspannen: Ohne solche sich in den Dienst der Gemeinschaft stellenden Kameraden ist jeder Verein dem Untergang geweiht. Wir können also nur hoffen, die betreffenden Kameraden nicht sauer zu fahren und nach Möglichkeit weitere aktive Mitstreiter zu gewinnen. Jeder ist willkommen!

Auch Kritik ist natürlich jederzeit willkommen, so lange sie konstruktiv ist. Weniger zielführend sind Angriffe sonst völlig passiver Kameraden aus dem Hinterhalt. Glücklicherweise bezieht sich diese Bemerkung aber nicht auf die aktuelle Situation der MK, sie resultiert aus der Aufarbeitung der Chronik. Diese Probleme sind zum Glück lange, lange her. Aber es ist immer gut, wenn man aus der Geschichte lernt.

 

Bild von Angelika Eickhorst

Der weitere Verlauf des Abends, immer wieder unterbrochen von der willkommenen musikalischen Umrahmung von Wolfgang und Gerhard, brachte uns viele nützliche Gespräche gerade auch mit Kameraden, die man sonst nicht so oft sieht. Eine willkommene Gelegenheit, den einen oder anderen Kameraden doch wieder öfter zum Bordabend zu locken. Schließlich müssen wir irgend wie zu sehen, dass wir die Unkosten des Vereinslokals wenigstens einigermassen aus den Erlösen der Bordabende zu finanzieren. Dazu brauchen wir möglichst viele Teilnehmer, und besonders hilfreich ist es natürlich, wenn die Pantrygasten das Essen spendieren und der Erlös somit ungeschmälert der Vereinskasse zu Gunsten kommt.

Mein besonderer Dank gilt Angelika Eickhorst: Immer, wenn die MK München eine Feier veranstaltet ist die Angelika mit ihrem Fotoapparat dabei! Auch die Bilder auf dieser Seite stammen von ihr. Die gesamte Bilderstrecke der 120-Jahr-Feier der MK kann man in unserer Galerie sehen,

Mir scheint, das süffige Kellerbier der Hacker-Pschorr-Brauerei hat an diesem gelungenen Abend einige neue Freunde gewonnen: Jedenfalls sehe ich einen regen Zuspruch bei unseren Bordabenden.

Es bleibt also, unserem Verein einen guten weiteren Weg zu wünschen. Besser: nicht nur zu wünschen, sondern ihn auch aktiv mit zu gestalten und auszubauen!
Auch wenn nicht immer alles rundheraus optimal verläuft: Das bedeutet wenigstens, dass es noch Raum für Verbesserungen gibt! Das ist es, woran wir arbeiten wollen!

Text: Winfried Huber
Bilder: Angelika Eickhorst

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