Reichhaltiges Buffet und durchwachsenes WetterFür den Zusammenhalt eines Vereins sind gemeinsame Veranstaltungen enorm hilfreich. Da sind wir mit der Marinekameradschaft durch unseren wöchentlichen Bordabend und die traditionellen Veranstaltungen wie Spargelessen, Törggelen und so schon recht gut aufgestellt. Trotzdem sind neue Ideen natürlich höchst willkommen!

Eine solche brillante Idee hatte unser Kamerad Harry von den Seelords: Eine gemeinsame Trambahn-Vereinsfahrt samt Catering für die maritimen Vereine im Großraum München. Die Ubootkameraden waren dabei, die Seelords natürlich und der Matrosenchor, die Windjammerfreunde und wir, die Marinekameradschaft. Als Fahrer für diesen Tag konnte er den Fahrlehrer gewinnen, der ihm vor 27 Jahren das Fahren einer Trambahn beigebracht hat — so schließt sich der Kreis.

Alle Mann antreten zum Aufsitzen!Nun ist so eine Trambahn bekanntlich ein Schienenfahrzeug, das nicht mal einfach auf die Seite rangieren kann. Deswegen war Pünktlichkeit angesagt beim Treffen am 5. Oktober um 11:00 am Ostbahnhof, und das hat dann auch prima geklappt nach dem Motto "10 Minuten vor der Zeit ist des Seemanns Pünktlichkeit".

Der Futtertrog ist gut gefüllt :)Kaum hatten wir die Tram geentert fiel auch schon die Catering-Crew "über uns her", die ganze Fahrt wurden wir bestens versorgt, und es musste weiß Gott niemand darben. Schmalzbrote, Leberkas, Brezn, Obatzder, Salate, und mehr sowie allerlei gekühlte Getränke, alles war im Überfluss vorhanden und wartete darauf, niedergekämpft zu werden. So einen Kampf lassen wir uns gerne eingehen!

Gegenüber der S- und der U-Bahn hat die Tram den gewaltigen Vorteil, dass sie oberirdisch fährt. Von oben ist München doch weitaus spannender als aus dem Untergrund, und es gab viel zu bestaunen was sich geändert hat im Stadtbild an Stellen, die man vielleicht seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat, jedenfalls nicht mit der Aufmerksamkeit, die etwa beim Auto oder Fahrrad fahren halt nun mal vom Verkehrsgeschehen gebunden wird. Wir aber konnten einfach entspannt aus dem Fenster gucken und den teils ungewohnten Stand der Dinge betrachten, etwa die gewaltige Lücke die jetzt da klafft wo seit Anbeginn der Zeiten (1953, um genau zu sein) die Schalterhalle des Münchner Hauptbahnhofs stand. Einfach abgerissen, um darunter den neuen Nukleus zu bauen, das unterirdische Zugangsbauwerk zu der im Entstehen befindlichen zweiten S-Bahn Stammstrecke und der neu geplanten U9.

Nur das Nötigste!Gott sei Dank geht es endlich los damit, die zweite S-Bahn Stammstrecke ist seit vielen Jahren überfällig, weil die bisherige, einfache Stammstrecke ein single point of failure ist, wie es bei den Computerleuten heißt. Wenn da was schief geht, dann ist es vorbei und alles steht! Hoffentlich gehen die weiteren Bauarbeiten ohne einen weiteren Wassereinbruch ab, so wie letztens, als der S-Bahnhof Hauptbahnhof über Tage lang abgesoffen war, und die Pumpen der Feuerwehr den Wassereinbruch nicht in den Griff kriegen konnten. Erst die größte Pumpe des THW namens "Hannibal" wurde Herr der Lage, und die fördert immerhin 5 Kubikmeter Wasser in der Minute(!) und stört sich auch nicht an Festkörpern bis 7 cm, so dass der Schotter des Gleisbettes ihr nichts anhaben kann. Das Monstrum ist samt eigenem 50 PS-Antriebsdiesel auf einem eigenen Anhänger montiert!

Etwa am Hauptbahnhof fiel dem Harry auf, dass es - bis auf das angeregte Mampfen am servierten Leberkas - doch recht ruhig war in der Trambahn, und er kündigte an, von seinem Smartphone aus Musik einzuspeisen, mit dem Hinweis, die Geschmäcker wären halt nun mal verschieden, und wer andere Musik bevorzugen würde: Nur her damit!

Das allerdings wollten die doch recht zahlreichen Musiker und Sänger an Bord nicht auf sich sitzen lassen: Harry konnte sein smart phone wieder einstecken, stattdessen wurden Akkordeons und eine Mundharmonika ausgepackt und los ging es mit allerhand Shanties. Für beste Unterhaltung war also gesorgt, auch bei den spontanen Platzkonzerten an den Wendeschleifen:

Am Wendepunkt Olympiapark Süd

Der Harry hatte extra, um Petrus gnädig zu stimmen, eine Wallfahrt nach Altötting gemacht, um dort eine Kerze zu stiften. Er schwört Stein und Bein, dass es sich um ein würdiges Exemplar gehandelt hat. So richtig geholfen hat das aber nicht, das Wetter war durchwachsen. Aber wer weiß, wie es ohne Kerze gewesen wäre. Vielleicht ist das auch ein Sinnbild für den beklagenswerten Zustand der katholischen Kirche. Die lässt kaum eine Gelegenheit aus den eigenen Ruf nachhaltig zu ruinieren! Wenn das Schicksal von vom Klerus missbrauchten Kindern völlig zweitrangig ist, Hauptsache das  eigene Ansehen bleibt unbesudelt, dann ist das Vertrauen völlig verspielt! Vertrauen zu ruinieren geht in Windeseile. Es wieder aufzubauen dauert verdammt lange, so es denn überhaupt irgend wann wieder gelingt!

Zu meinem Leidwesen war der südliche Wendepunkt unserer Route an der Grosshesseloher Brücke. Wegen der dortigen sanitären Anlagen ist das durchaus nachvollziehbar. Allerdings ist das somit nicht befahrene Gleis nach Grünwald in meinen Augen die schönste Trambahnstrecke von München - und für mich von ganz besonderem emotionalem Wert, haben wir doch während der Studentenzeit mal dort gewohnt.

Das ware eine tolle Sache! Danke, Harry!Das Haus war zwar abbruchreif, und es war so feucht, dass sich die Briefmarken auf dem Schreibtisch von selber zusammen geklebt haben. Aber das war eine Adresse, bei der die Leute Haltung angenommen haben wenn man sie sie gesagt hat: Grünwald, Eichleite 17. Da ist die Tram ist direkt an der Hinterseite des Grundstücks vorbei gefahren, mitten durch die Landschaft, ohne Straße. Wenn wir beim morgendlichen Vorbeifahren der Tram heftiges Spratzeln vom Stromabnehmer gehört haben wusste wir sofort: Warm anziehen, es ist verdammt kalt draußen!

Recht herzlichen Dank, Harry, für Deine tolle Idee mit der Trambahn-Party! Das war eine Riesengaudi, und allen hat es sehr gut gefallen.

Winfried


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